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Drive-in-Kinos: wo Amerika noch immer vom Auto aus Filme sieht – America theater marquee at night with cars passing📷 Photo by Victor Crespo on Unsplash
Straßenkultur

Drive-in-Kinos: wo Amerika noch immer vom Auto aus Filme sieht

Von Camden 1933 über rund 4.000 Kinos 1958 bis zu einigen Hundert heute: wie ein Abend im Drive-in abläuft und wo man eines findet.

Von CampingSpirit-Redaktion · 14. August 2026 · 4 Min. Lesezeit

Im Juni 1933 eröffnete Richard Hollingshead in Camden, New Jersey, ein Freiluftkino, in dem das Publikum im Auto sitzen blieb. Einen Monat zuvor hatte er ein Rampensystem patentieren lassen, damit Fahrzeuge in unterschiedlicher Neigung alle die Leinwand sehen konnten. Gezeigt wurde „Wives Beware“, der Eintritt betrug Berichten zufolge 25 Cent pro Auto und pro Person.

Das Format passte zum Land, in dem es entstand. Familien mit kleinen Kindern, Raucher und alle, die den eigenen Sitz einer Kinoreihe vorzogen, konnten einen Film sehen, ohne sich zurechtzumachen oder einen Babysitter zu suchen. Heute sind in den USA noch etwa 300 bis 400 Drive-in-Kinos in Betrieb, die meisten davon kleine Familienbetriebe – und für Wohnmobilreisende in den Great Plains ein naheliegender Halt.

Aufschwung und Höhepunkt 1958

Das Wachstum war zunächst langsam, dann schnell. Der entscheidende technische Schritt kam 1941, als RCA Autolautsprecher mit individueller Lautstärkeregelung einführte; zuvor kam der Ton aus Lautsprechern an der Leinwand und erreichte die hinteren Reihen spürbar verzögert. Nach dem Zweiten Weltkrieg trieben billiges Land am Stadtrand, steigende Autozahlen und der Babyboom die Zahl in die Höhe. Den Höchststand markierte 1958 mit 4.063 Drive-in-Kinos in den gesamten USA.

Manche Anlagen waren gewaltig. Loew’s Open Air in Lynn, Massachusetts, soll Berichten zufolge rund 5.000 Autos gefasst haben, mehr, als viele Stadien Zuschauer aufnehmen. Viele Kinos ergänzten Spielplätze, kleine Eisenbahnen und Cafeterien, und manche öffneten für Matineen und Wochenend-Flohmärkte, um das Gelände tagsüber zu nutzen. Das Drive-in war weniger ein Kino als ein kleiner Freizeitpark, der nach Sonnenuntergang Filme zeigte.

Warum die meisten schlossen

Die meisten Schließungen hatten banale Gründe. Das Grundstück am Stadtrand wurde mehr wert als eine Leinwand, und viele Familienbetriebe fanden keine Nachfolge. Die Umstellung von 35-mm-Film auf digitale Projektion war ein weiterer Einschnitt: Für die Umrüstung werden 70.000 US-Dollar und mehr pro Leinwand genannt, eine Summe, die viele kleine Betriebe beendete. Die Lockdowns 2020 kehrten den Trend kurzzeitig um, weil Drive-ins geöffnet bleiben konnten, wenn Innenkinos es nicht durften; einige neue entstanden, teils mit LED-Wänden statt Projektoren.

Wie ein Abend abläuft

Die Einfahrt öffnet meist deutlich vor der Dämmerung, oft eine Stunde oder mehr vor der ersten Vorstellung, und die Wagen werden in Reihen zur Leinwand gelotst. Der Ton kommt nicht mehr aus Fensterlautsprechern: Das Kino sendet ihn auf einer UKW-Frequenz mit geringer Leistung, die am Eingang oder auf der Leinwand angezeigt wird, und jedes Auto stellt sie am eigenen Radio ein. Shankweiler’s in Pennsylvania etwa stellte 1986 auf UKW-Stereo um. Viele Kinos zeigen einen Doppelfilm, und der Imbissstand mit Popcorn, Hotdogs und Softdrinks ist ein großer Teil ihrer Einnahmen.

Zwei Gewohnheiten sind wichtig. Erstens: Scheinwerfer und Tagfahrlicht aus, denn Licht in Richtung Leinwand verwäscht das Bild für alle. Zweitens: den Ton in der Zubehörstellung hören statt bei laufendem Motor, was Abgase und Lärm vermeidet, bei einem Doppelfilm aber die Starterbatterie entleeren kann. Ein tragbares UKW-Radio löst das Problem, ebenso ein Wohnmobil mit separater Aufbaubatterie und einem Radio, das daran hängt.

Die Zeiten unterscheiden sich nach Jahreszeit und Breitengrad. Im Juni bleibt es in den nördlichen Bundesstaaten bis nach 21 Uhr hell, sodass der erste Film spät beginnt und ein Doppelprogramm weit nach Mitternacht enden kann. Frühes Ankommen gehört deshalb dazu: Die Stunde vor dem Film dient Campingstühlen, Spielen und dem Imbissstand.

Kinos, für die sich ein Umweg lohnt

Shankweiler’s Drive-In in Orefield, Pennsylvania, eröffnete am 15. April 1934 und gilt laut Guinness World Records als ältestes noch betriebenes Drive-in-Kino; es fasst etwa 300 Autos auf rund 1,6 Hektar. Das Rt 66 Skyview in Litchfield, Illinois, stammt von 1950 und gilt als das letzte noch spielende Original-Drive-in an der Route 66. Hull’s Drive-In in Lexington, Virginia, gehört der Gemeinde und wird von Freiwilligen betrieben; das Tee Pee Drive-In in Sapulpa, Oklahoma, vermietet restaurierte historische Wohnwagen zum Übernachten.

Das Coyote Drive-In in Fort Worth, Texas, eröffnete 2013 und zeigt, wie das Format neu aufgebaut wurde: vier Leinwände, Laserprojektion und ein Spielplatz hinter dem Imbissbereich. Ältere und neuere Anlagen unterscheiden sich im Charakter, und der Besuch je eines Kinos beider Art ergibt einen guten Vergleich.

Den Besuch planen

Wohnmobilfahrer sollten eines zusätzlich klären. Die Reihen sind meist für Pkw angelegt, und ein hohes Wohnmobil kann die Sicht der Wagen dahinter versperren; deshalb weisen Kinos größeren Fahrzeugen oft Plätze hinten oder seitlich zu. Am Eingang oder vorab auf der Website des Kinos nachfragen, wo Wohnmobile stehen dürfen. Den Generator ausgeschaltet lassen, denn der Lärm trägt weit über das stille Feld, und das Innenlicht gedimmt und die Rollos unten halten, sobald der Film läuft.

Viele Drive-ins sind saisonal geöffnet, im Norden oft etwa von April bis Oktober; Termine und Spielzeiten stehen auf der Website des jeweiligen Kinos. Preise und Doppelfilm-Programme ändern sich, ein weiterer Grund, vor der Anfahrt nachzusehen. Wenn möglich Tickets vorab kaufen, früh kommen für eine gute Reihe und je nach Anordnung der Reihen vorwärts oder rückwärts einparken. Decken, Insektenschutz und eine Powerbank mitnehmen und am Imbiss etwas kaufen.

Quellen

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