Reiseführer · CampingSpirit
Rund 255 km durch das grüne Hinterland Kampaniens: von Beneventos Triumphbogen über Sant’Agata de’ Goti und das Bergkloster Montevergine zu den Weinbergen von Taurasi, zum Karstsee Lago Laceno und zur Abtei Goleto bis an den Lago di Conza.
Der Spirit der Route
Wer Kampanien nur von der Küste kennt, übersieht sein Herz. Hinter Neapel steigt das Land an: Tuffstein-Städtchen auf Felsspornen, Weinberge mit uralten Aglianico-Reben, Kastanien- und Buchenwälder, Berge, die im Winter weiß werden. Benevento erzählt von Römern, Langobarden und den Hexen, die dem Likör Strega den Namen gaben. In Montevergine pilgern Menschen seit Jahrhunderten zur Schwarzen Madonna. Irpinia trägt die Narben des Erdbebens von 1980, aber auch den Stolz einer Region, die ihre Dörfer neu gebaut hat. Aus der Schiebetür sehen Sie Rebzeilen, Burgen auf Hügeln und abends Rauch aus den Kaminen. Auf dem Teller liegen Kastanien, Schwarzer Trüffel, Torrone und Brot, das nach Holzfeuer schmeckt. Es ist ein Italien, in dem man noch Fremder und zugleich willkommener Gast ist.
Detaillierter Etappenplan (Tag für Tag)
1Etappe 1: Benevento nach Sant’Agata de’ Goti (ca. 35 km)
- Die Strecke
- Von Benevento auf der SS7 Appia und Provinzstraßen Richtung Montesarchio, dann zur Altstadt von Sant’Agata de’ Goti. Gut ausgebaut, aber mit Ortsdurchfahrten; rund 50 Minuten. Die Altstadt selbst ist eng, das Wohnmobil bleibt am Rand.
- Highlights & Must-Sees
- Benevento: Arco di Traiano, römisches Theater und die Kirche Santa Sofia, Teil des UNESCO-Welterbes der Langobarden.
- Rocca dei Rettori mit Stadtmuseum und der Strega-Likör, der in Benevento hergestellt wird.
- Sant’Agata de’ Goti: auf einem Tuffsteinfelsen gelegene Altstadt mit Burg und Blick in die Schlucht.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
-
Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: In Benevento sind Stellplätze am Stadtrand verzeichnet; Ausstattung, Öffnungszeiten und Preise vorher erfragen. Für Sant’Agata de’ Goti sind Stellplätze am Ortsrand üblich, aktuelle Möglichkeiten bei der Gemeinde erfragen.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): Italienisches Recht erlaubt das Übernachten im Wohnmobil dort, wo Parken erlaubt ist, solange nichts ausgefahren wird. In den Altstädten Beneventos und Sant’Agatas gilt ZTL; Parken nur auf ausgewiesenen Parkplätzen am Rand.
- Insider-Tipp für Camper
- Beneventos Altstadt ist ZTL mit Kameraüberwachung, nutzen Sie die Stellplätze außerhalb und gehen Sie zu Fuß. Der Likör Strega und das Torrone sind in der Stadt günstiger als in der Touristenpackung zu finden. Die Weine der Gegend, Falanghina und Aglianico del Taburno, sind regional ausgezeichnet.
2Etappe 2: Sant’Agata de’ Goti nach Avellino (ca. 55 km)
- Die Strecke
- Über Montesarchio und die SS7 Appia nach Avellino, teils auf der Schnellstraße. Der Verkehr rund um Avellino ist dicht, dazu kommen Baustellen; rund eine Stunde 15 Minuten. Die Autobahn A16 Napoli–Canosa ist mautpflichtig, aber direkter.
- Highlights & Must-Sees
- Montesarchio: Burg der Langobarden mit Blick in das Tal, über der Stadt.
- Avellino: Altstadt, Duomo und die Uhrenturm-Piazza, ein Spaziergang durch die Stadt, die nach dem Beben von 1980 neu aufgebaut wurde.
- Mastroberardino in Atripalda: historisches Weingut für Taurasi, Greco di Tufo und Fiano di Avellino, Besichtigungen nur nach Anmeldung.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
-
Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Im Raum Avellino sind Stellplätze rar; die Area sosta Volturara Irpina ist eine verzeichnete Möglichkeit in den Bergen oberhalb der Stadt. Ausstattung und Zufahrt vorher erfragen. In der Stadt ist die Übernachtung auf Parkplätzen am Rand üblich, wo Parken erlaubt ist.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): In Avellino gilt in der Altstadt ZTL. Außerhalb der Stadt ist Übernachten auf öffentlichen Parkplätzen erlaubt, wo Parken zulässig ist; Schilder beachten.
- Insider-Tipp für Camper
- Avellino hat eine ZTL-Zone im Zentrum, nutzen Sie Parkplätze am Stadtrand. Die Region ist Weinland: DOCG-Weine Taurasi, Fiano di Avellino und Greco di Tufo; viele Weingüter öffnen nur nach Anmeldung. Wer mehr als ein Glas probiert, bleibt besser auf dem Platz.
3Etappe 3: Avellino nach Montevergine (Mercogliano) (ca. 20 km)
- Die Strecke
- Von Avellino nach Mercogliano und von dort die Bergstraße in Kehren hinauf zum Heiligtum auf rund 1.270 m. Die Straße ist schmal, kurvenreich und für große Mobile mühsam, besonders an Wallfahrtstagen; rund 40 Minuten. Alternativ führt von Mercogliano eine Bahnverbindung hinauf; Betrieb vorab prüfen.
- Highlights & Must-Sees
- Santuario di Montevergine: Wallfahrtsort mit der Schwarzen Madonna, die als „Mamma Schiavona“ verehrt wird, und weitem Blick bis zum Meer.
- Wanderwege im Naturpark Partenio durch Buchen- und Kastanienwälder.
- Kloster und Bibliothek mit Handschriften; Zugänge sind nur zu bestimmten Zeiten möglich.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
-
Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Oberhalb von Mercogliano gibt es keine Campingplätze; nutzen Sie die Stellplätze im Tal oder einen Agriturismo in Avellino. Für Wohnmobile ist der Parkplatz am Heiligtum tagsüber nutzbar; Übernachtung ist nicht vorgesehen.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): Am Santuario gelten Regeln der Klostergemeinschaft; Übernachten im Fahrzeug auf dem Parkplatz ist nicht vorgesehen, Pilger und Gottesdienste haben Vorrang.
- Insider-Tipp für Camper
- Am 2. Februar findet zur Candelora die Wallfahrt zur Madonna statt, an diesem Tag ist die Zufahrt stark belastet. Im Winter kann auf dem Berg Schnee liegen, Winterausrüstung prüfen. Ob die Standseilbahn von Mercogliano zum Heiligtum aktuell fährt, vorab beim Betreiber prüfen.
4Etappe 4: Mercogliano nach Taurasi (ca. 35 km)
- Die Strecke
- Von Mercogliano über Avellino und Atripalda ins Hügelland von Taurasi, über Provinzstraßen durch Rebzeilen und Olivenhaine. Die Straßen sind schmal, aber wenig befahren; rund 50 Minuten. Ortsdurchfahrten in den Hügeldörfern können sehr eng sein.
- Highlights & Must-Sees
- Taurasi: Weinort der ersten kampanischen DOCG, mit Burg über dem Tal und Weinkellern im Ortskern.
- Weinberge mit Aglianico-Reben: Lese im Oktober, Spaziergänge zwischen den Rebzeilen sind jederzeit möglich.
- Enoteca Regionale und Weingüter der Region, teils mit Verkostungen nach Anmeldung.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
-
Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: In Taurasi und Umgebung gibt es Agriturismi, die Wohnmobile aufnehmen; Ausstattung und Zufahrt vorab klären. Für die Weinberge wählen Sie einen Platz bei einem Winzer, der oft Strom und Wasser bietet.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): In kleinen Dörfern wird ein ruhig geparktes Wohnmobil geduldet; Ausfahren von Markise und Stühlen ist verboten. Schilder und Verordnungen der Gemeinde beachten.
- Insider-Tipp für Camper
- Die Weinlese im Herbst bringt Traktoren auf die schmalen Straßen; planen Sie mehr Zeit ein. Viele Winzer verkaufen direkt, Kartons sind günstig und lassen sich im Wohnmobil gut transportieren. Fahren Sie nach der Verkostung nicht selbst; die Promillegrenze beträgt 0,5.
5Etappe 5: Taurasi nach Lago Laceno (Bagnoli Irpino) (ca. 45 km)
- Die Strecke
- Von Taurasi über Provinzstraßen nach Montella und Bagnoli Irpino, dann hinauf zum Lago Laceno auf rund 1.050 m. Die Strecke führt durch Kastanienwälder, hat viele Kurven und einige schmale Abschnitte; rund eine Stunde 15 Minuten. Im Winter ist die Hochfläche beschneit.
- Highlights & Must-Sees
- Lago Laceno: Karstsee auf der Hochfläche mit Wanderwegen und im Winter einem kleinen Skigebiet.
- Grotte del Caliendo bei Bagnoli Irpino: Tropfsteinhöhle mit Führungen, Zeiten vorab prüfen.
- Bagnoli Irpino: Ort der Schwarzen Trüffel, mit regionalen Spezialitäten in den Gasthäusern.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
-
Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: Am Lago Laceno ist ein Stellplatz für Wohnmobile verzeichnet; Ausstattung und Saison vorher erfragen. In der Hochsaison und im Winter bei Skibetrieb ist die Hochfläche stark besucht. Für Alternativen nutzen Sie Agriturismi in Bagnoli Irpino.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): Im Naturpark Monti Picentini gelten Regeln der Verwaltung; Übernachten außerhalb ausgewiesener Plätze und offenes Feuer sind nicht gestattet.
- Insider-Tipp für Camper
- Die Hochfläche liegt auf rund 1.050 m, nachts wird es auch im Sommer kühl. Im Winter kann Schneekettenpflicht gelten. Schwarzer Trüffel wird im Herbst und Winter angeboten, Preise vorher erfragen.
6Etappe 6: Bagnoli Irpino nach Sant’Angelo dei Lombardi (Abtei Goleto) (ca. 40 km)
- Die Strecke
- Von Bagnoli über Nusco und Provinzstraßen nach Sant’Angelo dei Lombardi und zur Abtei Goleto. Die Straßen sind kurvenreich und führen über Hügelrücken mit weiter Aussicht; rund eine Stunde. Einige Ortsdurchfahrten sind eng.
- Highlights & Must-Sees
- Abtei Goleto: Klosteranlage aus dem 12. Jahrhundert, gegründet von Guglielmo da Vercelli, mit Kirche und Turm des Kaisers Friedrich II.
- Sant’Angelo dei Lombardi: Burg und Altstadt, die nach dem Erdbeben von 1980 wiederaufgebaut wurde.
- Nusco: Hügelstadt mit Blick auf das Ofanto-Tal, eine der höchstgelegenen Städte der Irpinia.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
-
Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: In der Gegend von Sant’Angelo dei Lombardi sind Stellplätze rar; vorab bei Gemeinde oder Agriturismo nachfragen. In der Nähe der Abtei sind Agriturismi üblich, die Camper aufnehmen.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): Am Kloster Goleto gelten Regeln der Verwaltung; Übernachten ist dort nicht vorgesehen. In kleinen Orten ist ruhiges Parken meist möglich, wo Parken erlaubt ist.
- Insider-Tipp für Camper
- Der Erdbebenstoß vom 23. November 1980 prägt die Region, mit einem Museum und Gedenkorten im Ort. Öffnungszeiten der Abtei vorher prüfen. Tankstellen mit LPG sind auf dieser Strecke selten.
7Etappe 7: Sant’Angelo dei Lombardi nach Conza della Campania (ca. 25 km)
- Die Strecke
- Über Provinzstraßen und die SS7 nach Conza della Campania am Lago di Conza. Die Straße führt über Hügel, ist gut, aber kurvig; rund 40 Minuten. Bei der Ankunft liegt der See in der Senke, mit Brücken und Aussichtspunkten.
- Highlights & Must-Sees
- Parco Archeologico di Compsa bei Conza: Reste der antiken Stadt, die durch die Beben zerstört wurde, mit Museum.
- Oasi WWF Lago di Conza: Stausee mit Beobachtungsständen für Zugvögel, im Herbst und Frühjahr besonders ergiebig.
- Blick über das Ofanto-Tal und die Hügel Richtung Basilikata.
- CampingSpirit Übernachtungstipp
-
Offizieller Camping-/Wohnmobilstellplatz: In Conza della Campania ist ein Stellplatz verzeichnet; Ausstattung vorab erfragen. Eine alternative Übernachtung bietet sich bei Agriturismi in der Umgebung. Für weitere Strecken in die Basilikata nutzen Sie diese Station zum Auffüllen.
Freisteh- / Natur-Tipp (sofern legal): In der WWF-Oase gelten Regeln des Naturschutzes; Übernachten ist nicht gestattet. Auf dem Stellplatz in Conza ist die Übernachtung üblich.
- Insider-Tipp für Camper
- Am Lago di Conza sind Beobachtungstürme der Oase nur zu bestimmten Zeiten geöffnet; Fernglas mitnehmen. Von hier führt die Route weiter in die Basilikata oder auf die A16 zurück Richtung Neapel.
Camping-Praxis & Länder-Knigge
Wildcamping & Freistehen
- Italienisches Recht (Codice della Strada, Art. 185) trennt Parken („sosta“) vom Campen („campeggio“): Ein Wohnmobil darf dort übernachten, wo Parken erlaubt ist, solange es nur mit den Rädern den Boden berührt. Verboten sind Stühle, Tische, Markise, Stützen, Keile und abgelassenes Grauwasser.
- In Irpinia und Sannio wird ruhig geparktes Wohnmobil in kleinen Orten oft geduldet; rechtlich entscheiden Gemeindeverordnungen und Schilder. In Benevento und Avellino gelten ZTL-Zonen.
- In den Naturparks Partenio und Monti Picentini und in der WWF-Oase Conza gelten eigene Regeln; Feuer und Übernachten außerhalb ausgewiesener Plätze sind nicht gestattet.
- Stellplätze sind in der Region selten. Nützliche Apps: park4night, CamperOnline und Campercontact; vor Ankunft telefonisch bestätigen.
Entsorgung & Versorgung
- Ver- und Entsorgung heißt „camper service“ oder „carico e scarico“. In Irpinia gibt es sie nur vereinzelt, etwa auf dem Stellplatz in Benevento; vor der Fahrt in die Berge Wasser auffüllen.
- Grauwasser und Kassette nur an der Station leeren; wildes Entsorgen ist ein Hauptgrund für neue Camperverbote.
- Leitungswasser ist meist trinkbar, auf „acqua potabile“ achten.
- Gas: Deutsche Tauschflaschen werden in Italien nicht getauscht. Tankflaschen und Gastanks füllen Sie an GPL-Tankstellen mit dem italienischen Adapter; im Hinterland sind sie selten.
Fahrzeugmaße & Verkehrsregeln
- Tempolimits: Wohnmobile bis 3,5 t außerorts 90 km/h, auf Schnellstraßen 110 km/h, auf der Autobahn 130 km/h; über 3,5 t außerorts 80 km/h und auf der Autobahn 100 km/h. Gespanne mit Wohnwagen: 70 km/h außerorts, 80 km/h auf der Autobahn. Abblendlicht außerorts auch am Tag.
- ZTL (Zona a Traffico Limitato) mit Kameraüberwachung gibt es in Benevento, Avellino und vielen Altstädten; Bußgelder kommen per Post, oft Monate später.
- Maut: Die A16 Napoli–Canosa ist mautpflichtig, die Landstraßen der Route sind mautfrei.
- Ragt Ladung über das Heck hinaus, etwa Fahrräder auf dem Heckträger, ist die rot-weiße Warntafel (50 × 50 cm) Pflicht. Promillegrenze 0,5, für Fahranfänger und Berufsfahrer 0,0; Handy am Steuer nur mit Freisprecheinrichtung. Vom 15. November bis 15. April kann auf Bergstrecken Winterausrüstung vorgeschrieben sein.
CampingSpirit Pack- & Vorbereitungs-Checkliste
- Wanderschuhe für Montevergine, die Wälder des Partenio und die Pfade am Lago Laceno.
- Warme Schicht und Regenjacke: Auf 1.000 bis 1.300 m wird es auch im Sommer kühl.
- Auffahrkeile für die hängenden Wiesen der Agriturismi.
- Kühlbox und Kartons für Wein, Käse und Trüffel, die Sie direkt beim Erzeuger kaufen.
- Fernglas für die Zugvögel am Lago di Conza.
Stand: 2026-09. Sperrungen, Gebühren und Buchungsregeln ändern sich: Prüfe vor der Abfahrt die offiziellen Quellen.