Mit dem Wohnmobil nach Großbritannien und Irland: Einreise, Linksverkehr, Maut und Übernachten
Was Fahrer aus der EU mit EU-zugelassenem Wohnmobil vor der Überfahrt klären sollten: ETA und Papiere, Tempolimits in mph und km/h, Maut und Umweltzonen, wo Übernachten geduldet wird, Gas, Lebensmittel, Haustiere und die Fähr- und Platzsituation im Oktober.
Von CampingSpirit-Redaktion · 9. Oktober 2026 · 7 Min. Lesezeit
Dieser Beitrag richtet sich an Fahrer aus EU-Ländern mit einem in der EU zugelassenen Wohnmobil. Großbritannien und Nordirland liegen außerhalb der EU, die Republik Irland innerhalb, und die Regeln unterscheiden sich auf beiden Seiten des Wassers. Einige Angaben stammen aus Sekundärquellen oder Presseberichten; sie sind als solche gekennzeichnet und sollten vor der Abreise auf der offiziellen Seite geprüft werden.
Einreise und Papiere
EU-Bürger brauchen für das Vereinigte Königreich eine elektronische Reisegenehmigung (ETA). GOV.UK nennt eine Gebühr von 20 £ und einen Aufenthalt von bis zu sechs Monaten; jeder Reisende braucht eine, auch Kinder. Laut dem Faktenblatt des Home Office auf GOV.UK (April 2026) gilt die ETA zwei Jahre oder bis zum Ablauf des Reisepasses, je nachdem, was früher eintritt, für mehrere Reisen mit je bis zu sechs Monaten Aufenthalt; die Gebühr beträgt derzeit 20 £. Beantrage sie nur über die offizielle App oder GOV.UK, das vor nachgebauten Seiten warnt. Laut demselben Faktenblatt gibt es an der Landgrenze zwischen Irland und Nordirland keine Einwanderungskontrollen, wer aber nach Nordirland einreist, muss die Einreiseregeln einschließlich ETA erfüllen; in Irland rechtmäßig ansässige Personen aus Ländern, die sonst kein britisches Visum brauchen (etwa Europäer), benötigen innerhalb der Common Travel Area keine ETA, wenn sie ihren Aufenthaltsstatus nachweisen können. Wer nicht in Irland ansässig ist, klärt die Frage vorab auf GOV.UK.
Führe Reisepass, Führerschein, Zulassungsbescheinigung und Versicherungsnachweis mit. Ob für in der EU zugelassene Fahrzeuge in Großbritannien und Nordirland eine Grüne Karte nötig ist, konnten wir nicht bestätigen: Frage deinen Versicherer schriftlich und behalte die Antwort bei dir. Für Irland nennt die Road Safety Authority gültige Versicherungsunterlagen unter den mitzuführenden Papieren.
Fahren links und enge Straßen
Es wird links gefahren, Kreisverkehre werden im Uhrzeigersinn befahren, und man gibt Verkehr von rechts den Vortritt. Der Fahrer sitzt rechts, die Bordsteinseite ist also die Beifahrerseite, und den linken Fahrbahnrand einzuschätzen braucht Übung; ein Beifahrer, der den Abstand ansagt, hilft. Das Abblendlicht eines für Rechtsverkehr gebauten Fahrzeugs blendet den Gegenverkehr, deshalb die Herstellerhinweise zum Einstellen oder Abkleben der Scheinwerfer prüfen.
Landstraßen in Schottland und im Westen Irlands können schmal sein, mit Ausweichstellen oder ganz ohne Seitenstreifen. Fahre so langsam, dass du auf Sicht anhalten kannst, und fahre zur Seite, um schnelleren Verkehr vorbeizulassen. Unser Beitrag zu einspurigen Straßen in Schottland erklärt die Regeln für Ausweichstellen ausführlich.
Tempolimits und Maße
In Großbritannien gelten Meilen pro Stunde, ebenso in Nordirland. GOV.UK nennt für Wohnmobile bis 3,05 Tonnen Leergewicht 60 mph auf einbahnigen Straßen und 70 mph auf zweibahnigen Straßen und Autobahnen. Über 3,05 Tonnen sind es 50, 60 und 70 mph. Ein Pkw mit Wohnwagen oder Anhänger darf 50, 60 und 60 mph fahren. In Ortschaften gelten 30 mph; in Wales ist seit September 2023 in Wohngebieten 20 mph der Standard, Kommunen können Straßen aber wieder auf 30 hochstufen. Örtliche Limits sind ausgeschildert und gehen vor.
Die Republik Irland rechnet in km/h. Die Road Safety Authority nennt 120 auf Autobahnen, 100 auf Nationalstraßen, 80 auf Regionalstraßen und 50 in Ortschaften; mit Anhänger oder Wohnwagen sind höchstens 80 erlaubt. Eigene Limits für Wohnmobile über 3,5 Tonnen fanden wir nicht. Die Promillegrenze liegt in England, Wales und Nordirland bei 80 mg je 100 ml Blut, in Schottland und Irland bei 50 mg. Zu den Maßen: Britische Regeln erlauben in Großbritannien zugelassenen Wohnmobilen bis 12 m Länge und 2,55 m Breite, ab 3 m Höhe ist ein Hinweisschild im Fahrzeug nötig (NI Direct); wie das für ausländische Fahrzeuge gilt, ist nicht bestätigt, und Höchstmaße für Irland fanden wir nicht. Kenne deine Höhe vor jeder niedrigen Brücke und jeder Parkplatzschranke.
Maut und Umweltzonen
Am Dartford Crossing zahlst du bis Mitternacht des Folgetags, sonst folgt ein Bußgeldbescheid (GOV.UK). Für die M6 Toll ließen sich Zahlfrist und Zuschlag nicht bestätigen; prüfe vor der Fahrt die Seite des Betreibers. An der Tamar Bridge ist nur die Fahrt Richtung Osten, nach Plymouth, mautpflichtig. Durham erhebt eine Road User Charge, berichtet mit 5 £ pro Tag zwischen 10 und 14 Uhr (prüfe durham.gov.uk/ruc). Die Clean Air Zone in Newcastle nimmt private Pkw aus, doch wie ein Wohnmobil eingestuft wird, ist unklar; gib dein Kennzeichen auf GOV.UK ein.
Auf der irischen M50 kannst du ohne Konto bis 20 Uhr des Folgetags zahlen, danach fällt ein Zuschlag an (tii.ie). Der Jack-Lynch-Tunnel in Cork ist mautfrei. In Schottland gibt es Low Emission Zones in Glasgow, Edinburgh (seit 1. Juni 2024), Aberdeen und Dundee. Benziner brauchen mindestens Euro 4, Diesel Euro 6; Strafbeträge, Frühzahlerrabatte und eine mögliche Registrierung ausländischer Fahrzeuge ließen sich nicht bestätigen; prüfe lowemissionzones.scot für jede Stadt. Sieh die Euro-Norm in deinem Fahrzeugschein nach, bevor du eine Stadtroute planst.
Übernachten und Wildcampen
England und Wales kennen kein allgemeines Recht zum Wildcampen. Auf Dartmoor entschied der Supreme Court am 21. Mai 2025, dass das Recht nur Zelten mit dem Rucksack auf bestimmten Commons umfasst; die Nationalparkbehörde erlaubt keine Übernachtungen in Wohnmobilen oder anderen Fahrzeugen. Im Lake District ist Campen auf Parkplätzen oder am Straßenrand nie erlaubt; Parken ohne Behinderung wird meist geduldet, die Polizei kann aber zum Weiterfahren auffordern. Wales plant eine Besucherabgabe frühestens ab 1. April 2027, berichtet mit 0,75 oder 1,30 £ je Nacht; Conwy hat sie vertagt.
In Schottland gelten der Land Reform (Scotland) Act 2003 und der Outdoor Access Code, doch die Zugangsrechte erfassen laut einer schwachen Quelle von 2015 offenbar keine Aktivitäten, die auf ein Fahrzeug angewiesen sind; frage bei der Kommune nach. Der Highland Council verwarf im März 2025 ein vorgeschlagenes Übernachtungsverbot für Camper auf Parkplätzen in Durness und Golspie, so die Northern Times. Eine Highland-Abgabe kam im August 2026 in die Konsultation, im Entwurf 2 £ pro Nacht für Campingplätze von März bis November; die Entscheidung ist für Dezember 2026 geplant.
Irland kennt kein Recht zum Wildcampen, und Grafschaften können Verbote und Bye-Laws erlassen. Der Mayo County Council hat laut Bericht 2021 das Übernachten in Fahrzeugen an der Keem Bay auf Achill verboten. In Cork wurden im Sommer 2026 Zugangskontrollen und Bye-Laws diskutiert; ein Beschluss ließ sich nicht bestätigen. Beachte örtliche Schilder und weiche im Zweifel auf Campingplätze oder ausgewiesene Plätze aus.
Gas, Lebensmittel und Haustiere
Le Shuttle nimmt höchstens 47 kg je Flasche und 50 kg insgesamt mit, feste Tanks dürfen höchstens zu 80 Prozent gefüllt sein und brauchen eine Füllstandsanzeige. Die Gasregeln von Stena Line ließen sich nicht bestätigen; frage vor der Buchung bei Stena und jeder anderen Reederei direkt nach. Ausländische Flaschen werden in Großbritannien in der Regel nicht getauscht, plane deinen Vorrat also für die ganze Reise.
GOV.UK erlaubt aus der EU nach Großbritannien Fisch, Geflügel, Eier und Honig, nicht aber Schwein, Rind, Lamm oder Ziege samt Wurst sowie Milchprodukte. Ausnahmen sind bis zu 2 kg Milchpulver und Säuglings- oder medizinische Spezialnahrung in ungeöffneter Markenverpackung. Hunde brauchen Mikrochip, Tollwutimpfung und ein Reisedokument; laut GOV.UK gilt ein von einem zugelassenen Tierarzt in einem EU-Land ausgestellter Heimtierausweis weiterhin für die Einreise nach Großbritannien. Dazu kommt eine Bandwurmbehandlung 24 Stunden bis 5 Tage vor der Ankunft, im Ausweis vermerkt; prüfe auf GOV.UK, ob für deine Route eine Ausnahme gilt. Prüfe all das vor der Abreise auf GOV.UK; die Regeln für Haustiere bei der Einreise nach Irland wurden hier nicht geklärt.
Fähren und Saison im Oktober
Brittany Ferries fährt von Cherbourg nach Rosslare, Irish Ferries von Cherbourg nach Dublin; die Verbindung von Brittany Ferries von Roscoff nach Cork ist saisonal. Ob die saisonale Fähre über den Lough Foyle im Oktober fährt, ließ sich nicht bestätigen; ebenso bei der CalMac-Überfahrt zwischen Mallaig und Armadale, deren Winterfahrplan dünner ist. Prüfe die aktuellen Fahrpläne beider Betreiber. Buche auf allen Routen einen Fahrzeugplatz.
Viele Campingplätze schließen zwischen September und Oktober. Ein Beispiel ist ein Platz in Inverness, der bis eine Woche vor Ostern geschlossen bleibt. Rufe vorher an und kläre Öffnung, Stromanschluss und Entsorgung, bevor du dich auf eine Route festlegst.
Quellen
- Electronic Travel Authorisation (ETA) (GOV.UK)
- Speed limits (GOV.UK)
- Pay the Dartford Crossing charge (Dart Charge) (GOV.UK)
- Advice for using the roads in Ireland (Road Safety Authority)
- Bringing food into Great Britain: meat, dairy, fish and animal products (GOV.UK)
- Gas used for domestic services (Le Shuttle help centre)
- Pay a Toll (Transport Infrastructure Ireland)
- Bringing your pet dog, cat or ferret to Great Britain (GOV.UK)
- Bringing your pet dog, cat or ferret to Great Britain: before you travel (GOV.UK)
- Electronic Travel Authorisation (ETA) factsheet, April 2026 (Home Office, GOV.UK)